Daniel Kiss / Sebastian Tröger
Hard Press Soft Shell, 2014
Video, 21 Sekunden, Loop

Zwei Hände
die sich aufeinander zubewegen
Berührung suchend
Zum Händedruck
nur
um Kraft zu messen
Berührung scheuend
sich zurückziehend
und noch einmal
Berührung
Rückzug
über einer tabula rasa
einer mensa rasa
(HB)

Kiss nutzt die Chiffren subkultureller Ausdrucksformen

 

Kiss arbeitet in großer Freiheit, experimentiert mit Farbe, Form und Material. Der Eindruck eines unkonventionell und assoziativ geführten Gestaltungsprozesses wird evident. Seine Arbeiten wirken spontan und eher skizzenhaft – wie Einträge in einem Tagebuch. Skulpturale, installative und zeichenhafte Ideen entstehen und zeigen einen fragmentarischen Charakter. Kiss nutzt die Chiffren subkultureller Ausdrucksformen. Sein Interesse gilt der „affektiven Wirkungskraft von populärkulturellen Zeichen, Symbolen und Codes“, aber auch der Veränderlichkeit dieser Zeichen und somit der Transformation von Kommunikationsformen. Und er will damit einen sich ständig verändernden Dialog des Betrachters mit dem Kunstwerk auslösen.

(HB)

Daniel Kiss
journey in a nice garden, 2021
Mixed Media
200 x 100 x 25cm

Im Nonverbalen kann Kunst eine Urwahrheit in unser Leben bringen.

Interview mit Daniel Kiss

Was bedeutet dir diese Arbeit in deinem Werk, wo knüpft sie an?

Die Arbeit verfeinert Fragen, die ich schon lange bearbeite. Es geht um Symbole und Bedeutungen, Werte und Glaube.

Wie siehst du diese vor dem Hintergrund der Pandemie?

Einerseits zielt die Arbeit, losgelöst von aktuellen Thematiken, auf metaphysische Fragen, die älter und gleichzeitig aktueller sind, ab; andererseits wären formal vielleicht andere Entscheidungen getroffen worden, wäre akut keine Pandemie.

Wie siehst du deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit deines Kollegen?

Viele Jahre enges miteinander und nebeneinander Arbeiten haben sicher Spuren im Denken bei uns beiden hinterlassen. Respekt für die andere Person, gepaart mit ehrlicher Auseinandersetzung und konstruktiver Kritik, hat uns beide geprägt und vorangebracht. Die beiden Arbeiten sind auf unterschiedliche Weise Instrumente, um die gleichen existenziellen Fragen zu stellen. Sie ergänzen sich, sind kontrastär und stark miteinander verwandt.

Was hat sich für dich seit letztem Jahr verändert?

Meine Bewegungen sind geistiger geworden – mein Radius kleiner im Physischen und größer im Metaphysischen.

Was kann nur Kunst in der Krise?

Im Nonverbalen kann Kunst eine Urwahrheit in unser Leben bringen. Diese kann die Relevanz von aktuellen Geschehnissen in Bezug zu etwas Größerem setzen und vielleicht etwas die Ängste lindern, ohne zu beschönigen.

Daniel Kiss, geb. 1984 in Roth, Deutschland, studierte von 2007 bis 2014 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und schloss dort als Meisterschüler ab. Seit 2014 lebt und arbeitet er als Künstler und Kurator in Köln (Simultanhalle 2015-2016). Er stellte in verschiedenen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen aus, u.a. in England, Rumänien, Österreich und China. 2016 zeigte der Kunstverein Nürnberg eine Einzelausstellung mit seinen Werken. Kiss wurde mit dem Kulturpreis Bayern der Bayernwerk AG ausgezeichnet. Seine Arbeiten analysieren den Bezug von Vorstellung und Glaube und deren Repräsentation durch Symbole und Materialien.

Daniel Kiss

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