Duoni Liu / Katharina Kneip
uatsh-tide-uatsh, 2020
Interdisziplinäres Kooperationsprojekt von
Katharina Kneip, Masako Kato und Duoni Liu

 

Duoni Liu begleitet die beiden Künstlerinnen musikalisch auf ihrer Reise. Obwohl die Komposition erst nach der Reise entstanden ist, als Interpretation der Bilder, die auf 1100 km entstanden sind, erscheinen Bild und Ton als Einheit.

Der Sound verbindet die beiden Bildausschnitte der Kameras auf den Köpfen, die tänzelnd durch das auf und ab der Wellen, das der/die Betrachter*in fast spüren, auf das Meer führen. Ob es die Dramatik einer Schleuse oder die Unendlichkeit der Paddelbewegungen ist, die Komposition tröstet, warnt und begleitet uns durch dieses Abenteuer.

Es verwundert nicht, dass die Komponistin selbst ihr Werk noch nie an einem Stück gehört hat. Selbst Masako Kato und Katharina Kneip durften auf ihrer 30 Tage langen Kajaktour von Münster nach Kopenhagen nachts eine Pause einlegen und die Kameras ausschalten.

Duoni Liu: „Zu Beginn des Komponierens tauchte zunächst das Thema Umweltverschmutzung für mich auf. Ich habe mir vorgestellt, dass es dort, wo sie paddelten, voll mit Plastikmüll sei. Dieser Teil des Stückes soll zu Stellen im Video laufen, wo gerade nicht viel passiert, um einen Kontrast zwischen Musik und filmischer Dokumentation zu erzeugen. Wir sehen oft nur die Oberfläche des Meeres, aber vergessen dabei, wie stark die Strömung darunter ist. Gleichzeitig ist es auch Zeugnis der Pandemiezeit, in welcher ich es komponiert habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich langsam die Hoffnung verloren, dass die Pandemie nach einem halben Jahr vorbei sein wird.“

 

 

Es ist jedes Mal für mich neu, weil ich nie ab der gleichen Stelle das Stück höre

Was bedeutet dir diese Arbeit in deinem Werk, wo knüpft sie an?

Das ist eine Kunsterfahrung für mich, weil ich zuvor noch nie so eine lange Komposition kreiert habe. Es ist sehr verrückt, die eigene Komposition zu vergessen, weil das Stück zu lang ist. Deswegen entdecke ich immer eine neue Kleinigkeit, wenn ich es nochmals höre. Es ist jedes Mal für mich neu, weil ich nie ab der gleichen Stelle das Stück höre. Es ist das erste Stück, das ich nicht durchgehend komplett gehört habe, sondern nur Teil für Teil. Das Projekt ist somit nicht nur für das Publikum gemacht worden, sondern auch für uns drei Künstlerinnen.

Wie siehst du diese Arbeit vor dem Hintergrund der Pandemie?

Was Freiheit bedeutet – wie schön das war, als man sich noch überall frei bewegen konnte/durfte. Wir haben wirklich Glück, dass das Projekt überhaupt stattfinden konnte. Aber damals dachten wir auch, dass die Pandemie sehr schnell vorbei sein würde…

Wie siehst du deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit deiner Kollegin?

Die Kombination ist für mich auch sehr neu. Obwohl dieser Sport sehr anders als Musik ist, erkenne ich trotzdem Ähnlichkeiten. Vorübergehend, Ruhe und Aufregung, Spannung und Entspannung…

Was hat sich für dich seit letztem Jahr verändert?

Das Kind: Ich bin seit 6 Monaten Mutter. Trotzdem habe ich kurz danach angefangen, wieder zu arbeiten/zu komponieren und glücklicherweise Unterstützung erhalten. Es ist nicht leicht, aber machbar, Mutter und Komponistin zu sein (wenn dein Partner auch so hilfsbereit ist). Die Pandemie gab es natürlich auch, aber weil ich ein Kind bekommen habe, wurde ich vielleicht etwas weniger als andere davon negativ beeinflusst.

Was kann nur Kunst in der Krise?

Wir müssen Möglichkeiten finden, weiter Kunst zu machen. So wie uatsh-tide-uatsh – wir haben trotz allem eine kontaktlose Lösung gefunden, die Öffentlichkeit zu erreichen: durch Schaufensterinstallationen, Zoom-Konzerte, one-to-one Konzerte usw. Man findet immer eine Lösung, wir müssen nur positiv denken und vor allem weiter Kunst kreieren!

Duoni Liu, geb. 1989, lebt und arbeitet in Bielefeld. Die Komponistin und Instrumentalistin aus Shanghai studierte Musikproduktion an der Shanghai Normal University sowie elektronische Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. In ihrem Werk verbindet sie die Beziehung von Sound und Raum durch Mehrkanal-Soundinstallationen, interdisziplinäre Kooperationen und außergewöhnliche Konzertsituationen. Als junge Komponistin gilt ihre Aufmerksamkeit besonders auch bestehenden Geschlechterungleichheiten. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet und werden international aufgeführt.

www.duoni-liu.de

 

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