Fumie Ogura / Maria Berauer

‚Fässer und Steine‘, 2017
ca. 500 cm x 400 cm x 300 cm
Foto @ Fumie Ogura

Rückbesinnung auf das Wesen der Dinge

Fumie Ogura arbeitet überwiegend mit industriellen oder vorgefundenen Materialien und bringt diese in neue Bedeutungszusammenhänge. Natürliche Rohstoffe wurden im Laufe der Kulturgeschichte entfremdet indem ihre speziellen Fähigkeiten dekonstruiert, hervorgehoben oder manipuliert wurden. Ogura fördert durch ihre ungewöhnliche Verwendung der Materialien eine neue Wahrnehmung. Sie eröffnet die Möglichkeit einer Rückbesinnung auf das Wesen der Dinge.

Dabei entstehen oftmals fragile oder riskante Installationsweisen, die beim Betrachter Irritation und Unsicherheit auslösen. Durch das feine Ausloten von Materialgrenzen überführt sie ein skulpturales Moment in ein neues stabiles Gleichgewicht.

(BM)

‚Latten und Gummiball‘, 2021
ca. 400 cm x 400 cm x 250 cm
Foto @ Fumie Ogura

‚Latten und Gummiball‘, 2021
ca. 400 cm x 400 cm x 250 cm
Foto @ Mathias Zausinger.

Spannung, Reibung, Schwerkraft, also physikalische Wirkungen – sind immer da

Interview mit Fumie Ogura

Was bedeutet dir diese Arbeit in deinem Werk, wo knüpft sie an?

Ich habe diese Arbeit für das kunst-netz-werk und als Projektpartnerin Maria Berauer ausgewählt. Die Arbeit ‚Fässer und Stein‘ (2017) besteht aus Ölfässern, Naturstein und Gummibändern. Die Fässer, die versetzt gestapelt wurden, sind mit Spannung der Gummibänder und Gewicht mit Natursteinen ausbalanciert. Das Zusammenspiel von Labilität und Stabilität dieser Arbeit hat direkte sowie indirekte Gemeinsamkeiten mit Marias Arbeit.

Ich bin in alle Materialien, die ich für meine Arbeiten verwende, verliebt. Besonders mag ich Fässer. Formen und Farben, welche mit funktionalem Zweck produziert wurden, zeigen ihren Charakter und ihr Potenzial immer nackt und stark.Wenn sie sich mir so zeigen, muss ich sie noch labilisieren, stabilisieren, damit spielen und ihr Potenzial in meine Kunst übersetzen.

 Wie siehst du diese Arbeit vor dem Hintergrund der Pandemie?

Diese Arbeiten bzw. die Ideen meiner Arbeiten sind nicht von der Pandemie beeinflusst. Für mich bleiben diese zwei Sachen auf unterschiedlichen Ebenen. Die wichtigen Punkte meiner Arbeiten – Spannung, Reibung, Schwerkraft, also physikalische Wirkungen – sind immer da. Sogar während der Pandemie! Jedoch wird meine Motivation durch die Pandemie indirekt beeinflusst. Ich schöpfe einen Großteil meiner Motivation aus dem Raum, der durch meine Arbeiten gefüllt werden soll. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass der Betrachter es direkt dort wahrnehmen kann.Durch die Pandemie gibt es weniger Möglichkeiten, dies zu tun. Das zwingt mich zu alternativen, oft digitalen Formaten, mit welchen ich bis jetzt weniger zu tun hatte: Livestreams, Interviews, soziale Medien, digitale Ausstellungen. Das sind viele neue Gelegenheiten für Erfahrungen und Interaktionsmöglichkeiten mit Betrachtern und Kollegen.

Wie siehst du deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit deiner Kollegin?

Humor! Ich bin wahrscheinlich einfach ein Fan ihrer Arbeit. Es ist sehr ungewöhnlich für mich, Fan zu werden. Ich finde, ihre Arbeit ist humorvoll und sehr ehrlich. Wenn ich sie sehe, bekomme ich positive Energie! 

Was hat sich für dich seit letztem Jahr verändert?

Durch die Pandemie haben viele normale Sachen gefehlt. Ich versuche es aber eher als eine gute Gelegenheit zu sehen, über die normalen und alltäglichen Dinge nochmal nachzudenken und mich dafür zu bedanken, dass nicht alles unbedingt selbstverständlich da ist. Anderseits finde ich interessant, dass das Wesen der Persönlichkeiten und Dinge sichtbarer gemacht wurden: Das, was normalerweise versteckt werden konnte. Es wird extrahiert, manchmal brutaler, als man denkt, manchmal viel schöner, als man denkt. Auf jeden Fall viel echter! Ich könnte so denken, dass diese Zeit eine Prüfung ist, um mich selbst objektiv zu sehen, wie ich als Mensch mit dieser Situation umgehen kann.Oder es einfach ignorieren.

Was kann nur Kunst in der Krise?

In der Krise werden viele Dinge beschränkt, daher minimalisiert. Dadurch können diese intensiver und ehrlicher werden. Theoretisch, wenn es Papier und Stift gibt, kann man Kunstmachen. Aber um Kunst zu machen, braucht man Motivation. Die Art der Motivation ist bei jedem unterschiedlich. Bei mir ist es innere Ruhe, glaube ich.

In der beschränkten Situation neue Interessen finden, die mir Spaß machen, bieten mir unbezahlbare neue Erfahrungen.

Fumie Ogura, geb.1986 in Kobe, Japan, lebt und arbeitet in München. 2007 beendete sie ihr Bachelorstudium im Fach Bildende Kunst in Hyogo, Japan. 2009 begann Sie ihr Studium der Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in München bei Prof. Norbert Prangenberg († 2012) und erhielt ihr Diplom bei Prof. Hermann Pitz im Jahr 2015.

Sie erhielt Förderungen, Stipendien und Preise, nahm an Einzel- und Gruppenausstellungen und Kunst am Bau Projekten im In- und Ausland teil. In ihrem Werk arbeitet sie mit der Dekontextualisierung von Materialien. Sie verwendet für ihre installativen Arbeiten unterschiedlicheMaterialien wie Fässer, Spiegel, Gummi, Seile usw., durch deren Kombination physikalische Wirkung entwickelt und dadurch ihr eigentlicher Gebrauchszweck verändert wird.

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