Peter Kees / Florian Tuercke

Es geht um nichts weniger als um die Frage, wie wir zukünftig leben wollen.

Das Video ‚Violin‘ von Peter Kees zeigt die Zerstörung eines Instruments. Eine Violine wird wie ein Auto in einer Schrottpresse zusammengedrückt – im wahrsten Sinne des Wortes plattgemacht, einem Druck ausgesetzt, dem nicht zu entkommen ist. Der Klangkörper gibt während seiner Zerstörung Geräusche von sich. Letzte tonale „Atemzüge“, keine Musik, sondern Klänge der Zerstörung. Man denkt an die Akkumulationen und Fallenbilder von Fernandez Arman. Diese sind jedoch durch Transformation in eine neue ästhetische Form gebracht worden. In Peter Kees‘ Arbeiten bleibt offen, ob es neben den zerstörerischen nicht auch konstruktive Transformationen hin zu neuen Lebens- und Ausdrucksformen geben könnte.

(HB)

 

Es geht nicht um Dekoration, vielmehr um einen Umgang mit den rapid wachsenden Veränderungen unserer Zeit.

Interiew mit Peter Kees

Was bedeutet dir diese Arbeit in deinem Werk, wo knüpft sie an?

Die Leidenschaft zur Musik – durchaus als Ausdruck des Wesentlichen – findet in meinem Werk immer wieder Formen, etwa in einer Serie von Zeichnungen, in denen ich die Bewegungen eines Dirigenten auf Papier übertragen habe. Während der Pandemie konnte ich drei Streichquartette komponieren, deren Notenmaterial ich wiederum zeichnerisch transformiere. Und ich habe ein Video gedreht, in dem eine Geige gepresst wird, vielleicht als eine Art Kommentar zum Umgang mit den Künsten in der Corona-Zeit.

Wie siehst du diese Arbeit vor dem Hintergrund der Pandemie?

Der Stillstand hat es einerseits ermöglicht, dass ich mich intensiv mit dem Komponieren beschäftigen konnte, andererseits hat mich sehr erschreckt wie die Künste zwischen Bordellen und Sauna-Landschaften subsumiert wurden. Das empfand ich durchaus als Missachtung.

Wie siehst du deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit deines Kollegen?

U.a. die Beschäftigung mit Klang verbindet uns.

Was hat sich für dich seit letztem Jahr verändert?

Kunst ist wichtiger denn je geworden, denn gerade in Zeiten des Umbruchs und des Wandels haben die Künste einen bedeutenden gesellschaftlichen Auftrag. Sie stellen Fragen, setzen Ausrufezeichen, geben Denkanstöße oder lösen Irritationen aus. Es geht nicht um Dekoration, vielmehr um einen Umgang mit den rapid wachsenden Veränderungen. Ob Digitalisierung, eine sich verändernde Arbeitswelt, ein rasant wachsender Kapitalismus oder zunehmende soziale Problemstellungen, die Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft, die Cancel Culture oder der Klimawandel – die derzeit stattfindenden politischen, sozialen, ökonomischen und onkologischen Umbrüche, Veränderungen und Prozesse müssen gespiegelt und verhandelt werden. Es geht um nichts weniger als um die Frage, wie wir zukünftig leben wollen.

Was kann nur Kunst in der Krise?

Nichts, was sie sonst nicht auch könnte.

Peter Kees, geboren 1965, befasst sich als Künstler mit Sehnsüchten, Idealen und Visionen. Seit der Biennale von Havanna 2006 hat er mehrfach einzelne Quadratmeter in europäischen Ländern annektiert und zu arkadischem Staatsgebiet erklärt. Als Arkadischer Botschafter vergibt er Visa und gewährt Asyl. Zu sehen waren seine Arbeiten u.a. auf der Mediations Biennale in Posen, im Museum of Contemporary Art Skopje, in La Capella Barcelona, im PAN Palazzo delle Arti Napoli, in der Neue Nationalgalerie Berlin, im Berliner Martin-Gropius-Bau, am Kunsthaus Bregenz, an der Kunsthalle Rostock und beim Kunstfest Weimar.

www.peterkees.de

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