Sebastian Tröger / Daniel Kiss
Hard Press Soft Shell, 2014
Video, 21 Sekunden, Loop

Zwei Hände
die sich aufeinander zubewegen
Berührung suchend
Zum Händedruck
nur
um Kraft zu messen
Berührung scheuend
sich zurückziehend
und noch einmal
Berührung
Rückzug
über einer tabula rasa
einer mensa rasa
(HB)

„…DIE WELT IST SCHÖN oder ES SOLL WIEDER SO WERDEN, WIE ES NIEMALS WAR…“

So lautete der Titel einer Ausstellung zur Verleihung des Volker-Hinniger-Preises 2017 an Sebastian Tröger. Irgendwie passt dieser Titel zur Corona-Krisenzeit. Und eigentlich auch zu allen künstlerischen Ausdrucksformen Sebastian Trögers.

Der Künstler, der 1986 in Erlangen geboren wurde und heute in Nürnberg lebt und arbeitet, setzt sich in seinen schrägen und subkulturell gefärbten Arbeiten oft ironisch mit dem System Kunst sowie mit dem eigenen Selbstverständnis als Kulturproduzent auseinander. Er spaziert dabei quer durch die Kunstgeschichte, durch Stilrichtungen und Epochen der Malerei, und erdet große Themen zwischen Gott und Welt durch seine von einer trashigen Pop- und Rockkultur geprägten Formensprache.

„Trögers Stil zeichnet sich durch einen pastosen Farbauftrag, eine schnelle, flüchtige Malweise und eine Unbekümmertheit im Umgang mit verschiedensten Motiven aus. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Bildtiteln zu: Mal banal, mal kritisch, offenbaren sie einen subtilen Humor, der sich auch in den skulpturalen Installationen und Soundarbeiten des Künstlers finden lässt.“ [Judith Grobe, Kunstverein Nürnberg]

Sebastian Tröger ist national und international in zahlreichen Gruppen- sowie Einzelausstellungen vertreten, zum Beispiel im Museum Ludwig in Budapest, im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, im Kunstraum Morgenstrasse in Karlsruhe, im Zumikon Nürnberg, in das weisse haus in Wien, im Museum Würth in Schwäbisch Hall, im ZKM Karlsruhe, im Künstlerhaus Bethanien in Berlin, in den Kunstvereinen in Nürnberg, Karlsruhe, Würzburg und Heidelberg, in der Galerie Jo van de Loo in München, in der Galerie Kramer in Bremen, in der Galerie Rainer Wehr in Stuttgart und in der Oechsner Galerie in Nürnberg. Auch im DG Kunstraum in München war und ist er ein gern gesehener (und gehörter) Gast!

(HB)

 

Sebastian Tröger
Arp Gitarre mit schönen Pflanzen, 2020
Tusche und Acryl auf Nessel, Stahlrahmen
200cm x 125cm x 60cm

Eigentlich Selbstverständliches wird plötzlich zum kostbarem Gut.

Interview mit Sebastian Tröger

Was bedeutet dir diese Arbeit in deinem Werk, wo knüpft sie an?
Die Arbeit ‚Arp Gitarre mit schönen Pflanzen‘ vereint meine unterschiedlichen künstlerischen Forschungsfelder auf eine spannende Weise, sowohl formal ästhetisch, als auch inhaltlich. Zu einem Objekt erweitert, dehnt sich die Narration der Malerei in den Raum aus und verweist, neben der materiellen Präsenz, auf einen übergeordneten philosophischen Kontext und kulturelle Traditionen.
Wie siehst du diese vor dem Hintergrund der Pandemie?
Die Arbeit strahlt für mich neben einer ruhenden Kraft auch einen visionären Geist und eine analytische Klarheit aus. In diesen Zeiten ist das eine gute Basis, um mit den täglichen Herausforderungen und Informationsfluten sinnvoll umgehen zu können.
Wie siehst du deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit deines Kollegen?
Seit Beginn unseres künstlerischen Schaffens sind Daniel und ich gegenseitige Wegbegleiter. Nächtliche Malexzesse, stundenlange Gespräche und Ausstellungsplanungen haben unsere Haltungen und Positionen wechselseitig geformt. Jede Ausstellung mit Daniel ist eine materialisierte Form, Erweiterung und Ergänzung dieses Dialogs. Im besten Fall schaffen wir durch dieses Zusammenspiel ein Hybrid, das für uns neue Fragen und andere Antworten bereithält.
Was hat sich für dich seit letztem Jahr verändert?
Natürlich haben sich äußere Bedingungen geändert, viel spannender finde ich in diesem Kontext allerdings die Frage nach dem Einfluss der äußeren Veränderungen auf die innere Haltung und eine daraus entspringende Verantwortung. Die letzten zwölf Monate haben mein Bewusstsein und meine Aufmerksamkeit für die gesellschaftlichen Bedingungen unseres Zusammenlebens geschärft. Einem Lackmustest gleich, offenbaren die kurzfristigen Folgen der Pandemie offenkundige gesamt-gesellschaftliche Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte, in Bezug auf Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung, Diversität usw.
Auch ohne die Pandemie befindet sich die Menschheit innerhalb eines paradigmatischen Wandels sicher geglaubter Konstanten und Routinen, nur treten die Konsequenzen nun offenkundiger zutage. Eigentlich Selbstverständliches wird plötzlich zum kostbarem Gut.
Wenn man die Krise in diesem Kontext nicht nur als Gefahr, sondern auch als Chance begreift, darf man nicht zu den Fehlern der Vergangenheit zurückkehren, sondern muss einen konsequenten gesellschaftlichen Lernprozess anstoßen. Nur als funktionierende demokratische Gemeinschaft kann man der garstigen Fratze des Populismus und den Nutznießern dieses Systems einen entsprechenden Spiegel vorhalten. Insofern sehe ich es als eine Verantwortung jeder und jedes Einzelnen, sich als Teil dieser Gemeinschaft zu begreifen und im eigenen kleinen Kosmos nach nachhaltigen Problemlösestrategien zu suchen. Auf diese Weise werden wichtige Impulse für eine offene, freie und tolerante Gesellschaft gesetzt.
Was kann nur Kunst in der Krise?
Frei sein.

Sebastian Tröger, geb. 1986 in Erlangen/Bayern, lebt und arbeitet in Nürnberg. Nach dem Kunststudium an der AdBK in Nürnberg und der HfG in Karlsruhe war Sebastian Tröger als Lehrbeauftragter im Fachbereich Digitale Medien/Sound an der AdBK Nürnberg tätig. 2016 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Nürnberg, 2017 den Volker-Hinniger-Kunstpreis der Stadt Bamberg und 2019 den Bayerischen Kunstförderpreis des Freistaats Bayern. Seit 2017 arbeitet er, neben seiner künstlerischen Tätigkeit, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der digitalen und künstlerischen Neukonzeption des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Sebastian Tröger

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2021         Impressum         Datenschutz