This Zogg / Angela Stauber

 

„Endlich wieder Haare auf dem Kopf.“

…das war die Antwort auf meine Frage, was sich für ihn in der Pandemie geändert hat. Berufs-Glatzen haben ja nicht viele Menschen, doch das Haare-wachsen-lassen, begleitet uns seit dem ersten Lockdown anders als früher.

Der gebürtige Schweizer Matthias ‚This‘ Zogg, beziehungsweise der sympathische Tollpatsch Thizou, arbeitet seit vielen Jahren als Klinikclown. Er ist Gründungsmitglied der Clowns ohne Grenzen e.V. in Deutschland und es ist sein Traumberuf, dem er natürlich im Moment nicht nachgehen kann.

Lachen ist gesund? Das Lachen ist vielen Menschen im Lockdown vergangen. Es scheint so als ob wir im Moment alle etwas krank sind: Wir haben Pandemie. Alles um uns herum ist anders als früher, wir brauchen also This Zogg dringender denn je.

Wir lernen gerade, unser Sozialverhalten neu auszurichten. Was als social distancing bezeichnet wird und eigentlich eine physische Distanz meint, verändert unsere Alltagskultur. Nähe und Distanz zwischen Darstellenden und Wahrnehmenden, zwischen Spielenden und Mitspielenden sind Merkzeichen des Theaterverständnisses gewesen und prägen nun unseren Alltag, ohne Aufführungen ob im Theater oder in der Klinik.

This Zogg wurde 2011 von Angela Stauber in mehreren Sitzungen im Atelier portraitiert. Das Portrait ist nicht das Ergebnis einer statischen Modellsitzung, sondern ist aus mehreren Momentaufnahmen während einer Performance entstanden. Der Titel des Bildes ‚Fang mich‘ passt zu dem quirligen, dabei trotzdem introvertierten Zogg. Auf einem grau-blassen Hintergrund ist er in schwarzer Kleidung mit Hosenträgern zu sehen, festgehalten im wahrsten Sinne des Wortes, während einer Bewegungsabfolge.

 

Lachen ist ein Grundbedürfnis der Menschen

Interview mit This Zogg

 

Was bedeutet Dir diese Arbeit in Deinem Werk, wo knüpft sie an?

Ich verstehe diese Frage als: „Was bedeutet dir dein Beruf?“ Zum einen mag ich schlicht und einfach das „Handwerk“. Ich liebe es, mit Material wie Timing, Methoden, Aufmerksamkeit, Präzision, Rhythmus, Körperausdruck und Emotionen zu spielen, um Bilder in die Gedanken des Publikums zu malen. Ich versuche stets, das Publikum durch ein „Bad der Gefühle“ mitzunehmen. Je mehr unterschiedliche Emotionen das Publikum erleben konnte, desto besser. Ich freue mich, wenn das Publikum außer lachen auch noch traurig, berührt, gerührt, verträumt, empört und verliebt sein konnte. Zum anderen liebe ich es und finde es immer wieder faszinierend, wie schnell und pur ich als Clown in Kontakt mit den Menschen komme. Beide Parteien sind für einen Moment im Hier und Jetzt.

Wie siehst du diese vor dem Hintergrund der Pandemie?

Der Clown ist eine Figur, die es in irgendeiner Form schon immer gab. Es gab den Hofnarr, den Trickster, den Pierrot, den Harlekin, den Gaukler und viele weitere solcher Gestalten in allen Teilen der Welt. Ich bin überzeugt davon, dass es so eine Figur auch schon bei den Höhlenbewohnern gab. Lachen ist ein Grundbedürfnis der Menschen, es ist ein Ventil, um Spannung in Entspannung zu verwandeln. Dazu braucht es meines Erachtens nach keine großen wissenschaftlichen Studien. Ich erkenne das bei mir selbst, wenn es mir schlecht geht: Schaue ich mir etwas Lustiges an, was mich auch noch berührt, geht es mir wieder etwas besser. So einfach ist das. Gerade jetzt in der Krise macht unsere Arbeit Sinn. Leider gibt es nur wenige Möglichkeiten, diese zur Zeit auszuüben. Gestern spielte ich dennoch mit zwei Kolleg*innen um ein Krankenhaus herum. Es entstanden trotz der großen Distanz – vom Platz vor der Klinik, durch die geschlossenen Fenster hindurch bis in das dritte Stockwerk – Kontakt, Nähe und tolle Spiele. Das war schön zu erleben.

Wie siehst Du Deine Arbeit im Zusammenspiel mit der Arbeit Deines Kollegen/ Deiner Kollegin (die in einer anderen künstlerischen Sparte tätig ist)?

Wir haben vor einigen Jahren gemeinsam ein Projekt realisiert, in dem ich performte und Angela mich währenddessen portraitierte. Es war sehr spannend zu sehen, wie es ihr gelang, die Stimmung, die Bewegung, den Moment und die Bilder, die entstanden, auf die Leinwand zu bringen. Mir gefällt es, scheinbar Unvereinbares zusammenzubringen.

Was hat sich für Dich seit letztem Jahr verändert?

Ich war plötzlich arbeitslos. Habe lange Pause gemacht. Habe es sehr genossen. War für die Situation erstaunlich gelassen. Neben meiner selbständigen Tätigkeit als Clown, habe ich nun eine Festanstellung als Bodenmann bei einem Baumpfleger. Habe mir häufig Gedanken über Nähe und Distanz, Distanz und Nähe gemacht. Habe neue Motivation für die Clownerie. Nachdem ich aus beruflichen Gründen seit 20 Jahren eine Glatze trage, habe ich mir nun die Haare wachsen lassen…

Was kann nur Kunst in der Krise?

Kunst kann alltägliche Gegebenheiten, Gefühle, Wahrnehmungen, Betrachtungsweisen in eine wie auch immer gestaltete Form bringen und ermöglicht es uns, mit einer gewissen Distanz einen Blick von außen zu bekommen. Gegensätze zu sehen, eine andere Sichtweise zu bekommen und neue Möglichkeiten zu erkennen, neue Energie, Inspiration und Zuversicht zu schöpfen.

This Zogg, geb. 1971 in der Schweiz, lebt und arbeitet in Augsburg. Nach einer Kochlehre kam er zufällig zum Circus Stellina, anfänglich zuständig für Auf-, Abbau und Transport, bis zu kleinen Auftritten in der Manege. Er absolvierte die zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung an der „Schule für Clowns“ in Mainz, darauf folgten weitere Circus-Engagements in der Schweiz. 2006 zog er nach Augsburg und nahm an Weiterbildungen bei namhaften Dozenten teil. Er ist Mitbegründer der „Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V.“, arbeitet für zwei KlinikClown-Vereine und ist Dozent an der „Antihelden-Akademie AHA – Schule für Clowns“ in Augsburg. Er tritt auf mit den Duos „Schorre & Borre“ und „Compania KaMaFa“ sowie dem Ensemble „la troupe de schnoupe“.

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